¡Obra en proceso!

Anselm Spindler & Andreas Wagner

Leben und Denken

Francisco de Arcaya y Compludo, wie Vitoria mit richtigem Namen hieß, trat 1505 dem Dominikanerorden in Burgos bei, der gerade eine tiefgreifende Reform erlebt hatte. Diese Reform war Teil eines umfassenden Reformprogramms des spanischen Königs, das die Umgestaltung Spaniens in einen zentralistischen Staat unterstützen sollte und es auch zu einem Zentrum von Theologie und Wissenschaft machte. Der junge Ordensmann wird zum Studium an die renommierte Universität Paris geschickt, wo er Schüler von Pierre Crockaert wurde. Es sind vor allem die Eindrücke dieser Zeit, die sein Denken entscheidend prägten: das Erbe der Scholastik, besonders seines Ordensbruders Thomas von AquinVitoria betätigt sich in Paris u. a. als Mitherausgeber eines Teils von dessen Hauptwerk Summa theologiae –, Nominalismus, Humanismus und konziliaristische bzw. gallikanische Tendenzen, die eine Unterordnung des Papstes unter ein allgemeines Konzil forderten und gerade an der Pariser Universität viele Anhänger fanden.

Nach seiner Rückkehr nach Spanien (1523) lehrte er in Valladolid und seit 1526 an der Universität Salamanca, dem geistigen Zentrum Spaniens. Indem er hier nach dem Pariser Vorbild das bis dahin verwendete Lehrbuch, die Sentenzen des Peter Lombard, durch die Summa theologiae des Thomas von Aquin ersetzte, legte er den Grundstein für die Thomas-Renaissance des 16. Jahrhunderts und begründete die Schule von Salamanca. Zu seinen Schülern zählen u. a. Domingo de Soto, Melchior Cano, Bartolomé de Medina und Domingo Bañez, alle berühmt u.a. für ihre Thomas-Kommentare. Aber auch der Kanonist Diego de Covarrubias y Leyva gehört zu seinen Schülern.

Schriften

Da Vitoria zu seinen Lebzeiten so gut wie nichts veröffentlicht hat, erlangte er vor allem durch seine universitätsöffentlichen Festvorlesungen (relectiones) Berühmtheit. Diese sind nur als Mitschriften seiner Studenten erhalten und erstmals postum Lyon 1557, dann 1565 Salamanca unter dem Titel Relectiones theologicae publiziert worden. Die ebenfalls nur in Mitschriften erhaltenen regulären Vorlesungen (lecturae) wurden erst im 20. Jh. ediert und publiziert. Die Festvorlesungen sind zweisprachig enthalten in:

Summa sacramentorum Ecclesiae ex doctrina Fratris Francisci de Vitoria, ed. Thomas de Chaves. Valladolid 1560 Relectiones Confesionario util y provechoso